Praxisseminare: Berichte

 

Übersicht

2021

  • 15.-17. & 29.-31. Januar            Zoom- und Praxisseminare Fang von Greifvögeln und Eulen
  • 19. Februar                                Schleiereulen Zoom-Seminar
  • 06.-08. August                           Praxisseminar "Fangmethoden"

 

 

Zoom- und Praxisseminare Fang von Greifvögeln und Eulen

organisiert von Andreas Goedecke & Nico Stenschke, 15.-17.01.2021, Beinrode (Thüringen) & 29.-31.01.2021, Wittenberg (Sachsen-Anhalt)

Die etwas anderen Greifvogelseminare

Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Diese Phrase passt ganz gut auf die Abläufe der diesjährigen Greifvogelfangseminare in Beinrode (Thüringen) vom 15.-17.01. bzw. in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) vom 29.-31.01.2021. Denn „normal“ lief dabei fast nichts ab. Die aktuelle Pandemie-Lage machte Änderungen notwendig, denn eine komplette Absage des Erfolgsseminars kam nicht in Frage! Alle Welt nutzt das Programm „Zoom“ für Online-Meetings – so auch die Idee von Schirmherr Andreas Goedecke, welcher über den Verein ProRing e.V. kurzer Hand eine Lizenz für 100 Teilnehmer erwarb. Am Abend des 15.01. war dann klar, dass die BeringerInnen und InteressentInnen nach Weiterbildungsveranstaltungen regelrecht lechzten. Die Lizenz kam an ihre Grenzen, es wollten sich zeitweise mehr Personen aus dem In- und Ausland zuschalten als möglich waren! Wer rechtzeitig „an Bord“ war, lauschte zunächst dem Einführungsvortrag. Es folgte die Präsentation zur Alters- und Geschlechtsbestimmung durch Mathias Mähler. Danach kam es zu den gewohnten Fragerunden und Diskussionen, welche trotz der Online-Veranstaltung rege stattfanden. Am Samstag und Sonntag wurde dann fast wie gewohnt gefangen – allerdings in Corona-konformen Teams von maximal zwei Personen, sowie durch bundesweit ausschwärmende Teams. Die Technik machte es auch hier wieder möglich, dass ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entstand. Denn via WhatsApp-Gruppe wurden die Fänge nahezu im 10-Minuten-Takt gepostet. Dies versüßte auch den nicht unmittelbar teilnehmenden Personen das Homeoffice und ließ jeden mitfiebern, dem es nicht möglich war, das Seminar „in Echt“ zu besuchen.

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Mäusebussard und Turmfalke (Foto: N. Stenschke)

Am Samstagabend wurden die reichlichen Fänge wiederum bei einer Zoom-Veranstaltung ausgewertet und diskutiert. Auch am Sonntag gingen bei erneut optimalen Fangbedingungen die Teams an den Start. Viele brachen jedoch um die Mittagszeit wegen massenhaft auftretenden Sonntagsspaziergängern ab, welche ebenso das schöne Wetter nutzten und den ein oder anderen vielversprechenden Fangversuch platzen ließen. Auch wenn die Ergebnisse aufgrund der Ausnahmesituation schwer mit den Vorjahren vergleichbar sind, so sind sie doch mindestens bemerkenswert! Eine detaillierte Zusammenstellung ist in der nachfolgenden Tabelle zu finden.

GreifvogelSeminar_Fangliste.png

Ergebnisse beider Fanseminare 2021: 2.J. = Vogel im 2. Kalenderjahr beringt; N2.J = Vogel nach dem 2. Kalenderjahr beringt; M = Männchen; F = Weibchen; WF = Wiederfund; LK = Landkreis; S = Süd; N = Nord; W = West; E = Ost.

In Wittenberg lief alles nahezu parallel zur Thüringer Veranstaltung ab. Nach dem Einführungsvortrag am Freitagabend folgte der überarbeitete Beitrag von Mathias Mähler zur Alters- und Geschlechtsbestimmung. Bei den Veranstaltungen waren ca. 75 TeilnehmerInnen zugeschalten. Als zusätzliche Aktion konnten am Samstagabend am Waldohreulenschlafplatz in Wartenburg zwei Vögel gefangen und beringt werden. Am Sonntagabend fing ich im Garten als Abschluss des Seminars eine weitere Waldohreule, welche bereits einen meiner Ringe trug. Mit insgesamt 120 Turmfalken, 76 Mäusebussarden, 5 Raufußbussarden, 10 Raubwürgern und 3 Waldohreulen (also in Summe 214 Vögel!) kann man von einem fulminanten Ergebnis sprechen! Interessanterweise ist das Geschlechterverhältnis beim Turmfalken fast auf den Punkt ausgeglichen, und bei den Mäusebussarden scheinen sich die weniger erfahrenen Jungvögel etwas besser zu fangen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass von vielen Teilnehmern die Aussage kam, ein Seminar sei „in Echt“ immer noch unvergleichbar zu einer Online-Veranstaltung, zumal für die allermeisten Teilnehmer das eigentliche Fangen-Lernen ausfallen musste. „Online“ hat aber auch enorm viele Vorteile, sodass der Entschluss gefasst wurde, den Theorie-Teil des Seminars zukünftig parallel zur Präsenzveranstaltung ebenso über Zoom anzubieten, um mehr Leute zu erreichen. Die Praxis lässt sich jedoch nur vernünftig vor Ort sowie „live und in Farbe“ lehren. Die Daumen sind also gedrückt, dass in der kommenden Saison alles wieder in seinen gewohnten Bahnen ablaufen kann!

Ein großes Dankeschön gebührt neben allen Organisatoren, Teamleitern und sonstigen „Strippenziehern“ auch Rico Spangenberg, der die Übersichtskarte aller Teams erstellte!

Enden möchte ich mit einem Zitat von Frank Rieken aus der WhatsApp-Gruppe: „(…) Digitalseminar mit >100 Personen und dann „gemeinsam“ (verknüpft über WhatsApp) das Erlernte in der Praxis umsetzen!! Ich finde, dieses Wochenende hat der Vogelberingung in Deutschland ganz neue Impulse gegeben!“.

Text: Nico Stenschke

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Übersichtskarte der Fanggebiete während der zwei Praxisseminare "Fang von Greifvögeln und Eulen"; Seminar 1: Beinrode (Thüringen), 15.-17.01.2021; Seminar 2: Wittenberg (Sachsen-Anhalt), 29.-31.01.2021 (Karte erstellt von Rico Spangenberg).

 

Schleiereulen Zoom-Seminar, 19.02.2021

organisiert von Susanne Homma
 

Am 14.02.2021 wurden die Mitglieder von ProRing durch Andreas Goedecke in einer E-Mail zu einen Zoom-Seminar zum Thema Schleiereule eingeladen. Am 19.02.2021 um 19 Uhr wurde das Seminar von Susanne Homma eröffnet. Im Laufe des Abends stellten fünf Referenten und Referentinnen ihre Erfahrungen zum Bau, das Anbringen von Nistkästen und das Schaffen weiterer sicherer Brutmöglichkeiten sowie deren Schutz vor Raubtieren wie Marder, Waschbär usw., die Entwicklung der Jungvögel, über den Fang von Altvögeln und die Alters- und Geschlechtsbestimmung vor. Anschließend erfolgte noch in einer Gesprächsrunde ein lockerer Austausch zwischen den Mitgliedern.

Fazit: Die hohe Teilnehmerzahl von 100 Mitgliedern (die volle Anzahl von Teilnehmern, die auf der Plattform in Zoom möglich war) und mehrere sehr positive Feedbacks zeigen, dass Online-Seminare bei den Mitgliedern sehr gut angenommen werden.

Text: Jörg Groß

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Schleiereulenpärchen (Foto: J. Jeanmonod)

Praxisseminar „Fangmethoden“

mit Michael Wimbauer, 06.-08.08.2021, Edertal-Mehlen (Nordhessen)


Das Seminar war das erste Praxisseminar seit gut einem Jahr, denn die Einschränkungen durch die Pandemie seit Herbst 2020 wurden erst im Mai/Juni 2021 wieder allmählich gelockert. Diese Corona-Situation und das im Sommer unbeständige Wetter führten wohl dazu, dass das Seminar nicht ausgebucht war. Das tat der Laune jedoch keinen Abbruch, und mit dem Wetter hatten wir sehr viel Glück, denn alle auf dem Regenradar erscheinenden Regenereignisse zogen dann doch um das Fanggebiet herum und hinterließen allenfalls ein paar Tropfen.

Los ging es am Freitag nach einem kurzen Abendessen vom Grill mit dem Fang von Uferschwalben an der Kläranlage in Wabern. Ein Damm zwischen zwei mit Schilf bewachsenen Schlämmteichen ermöglicht hier das Aufstellen von Netzen. Per Klangattrappe konnten rund zwei Dutzend diesjährige Uferschwalben in die Netze gelockt werden. Gastgeber Michael Wimbauer hatte den Schlafplatz zuvor entdeckt und wenige Tage vorher 180 Uferschwalben gefangen. Zum Einsatz von Klangattrappen gab es hier den ersten Lerneffekt für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Vögel merken sich offensichtlich Klangattrappen und fallen bei Wiederholung nicht wieder darauf herein. Der Wechsel auf eine andere Audiodatei kann sich hierbei lohnen.

Nach einer kurzen Nacht im rustikalen Goldgräber-Claim ging es früh morgens ins nahe Fanggebiet. Dieses ist kleinräumig und abwechslungsreich strukturiert. Gewässer, Röhrichte, Hecken und waldähnliche Bereiche wechseln sich ab. Die Lage in der Ederaue begünstigt zudem den Fang von Zugvögeln, die zusätzlich über Nacht mit Klangattrappen angelockt wurden. Michael hat hier an die 460 m Netze stehen, darunter auch eines zwischen zwei sechs Meter hohen Fahnenmasten. Bis zum frühen Nachmittag lief der Fangbetrieb. Die Fangzahlen waren nicht übermäßig hoch, so dass für alle genug Zeit blieb, die Altersbestimmung der Fänglinge zu üben und zu diskutieren. Die Erprobung von Stolperfallen war leider nicht von Fangerfolg gekrönt.

Nach Pause und Abendessen wurden noch drei nestjunge Feldsperlinge beringt, bevor die Vorbereitungen zum Schlafplatzfang im Schilf begannen. Zielarten des abendlichen Vogelfanges waren Rauchschwalben und Stare, was ebenfalls gelang. Wegen des starken Windes wurde die Aktion aber zeitig beendet.

Auch der Sonntagmorgen brachte noch weitere Arten wie Weidenmeise, Kernbeißer und einen Gelbspötter ein. Insgesamt wurden an dem Wochenende 128 Vögel aus 27 Arten beringt. Zum Abschluss gab es Pizza und ein herzliches Dankeschön an Michael für die Organisation des Seminars mit Unterkunft und Verpflegung.

Im Lauf des Seminars zeigte sich wieder einmal, wie gut der direkte Austausch zwischen Beringern ist – einfach ins Gespräch kommen, sich Ideen von anderen holen und mit neuen Inspirationen und Motivation für die Beringung wieder nach Hause fahren. Somit ist es bei den folgenden Seminaren durchaus erwünscht, wenn die Teilnehmer noch eigene Ausrüstungsgegenstände bzw. Fanggeräte, die vielleicht nicht vor Ort sind, einbringen.

Text: Tim Mattern

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